Wahnsinnige Angst
Nach den Anschlägen des 11. September 2001 reagierten viele Menschen in der westlichen Welt mit Angst und Entsetzen auf die fürchterlichen Ereignisse. Es wurde eine Paranoia ausgelöst, die eine Verschärfung der
Sicherheitsbestimmungen und Gesetze nach sich zog. Der britische Dramaturg Mark Ravenhill schuf ausgehend von diesem Attentat das Theaterstück 'Shoot/Get Together/Repeat'. In einer Inszenierung von Jan Klata im Schauspielhaus zeichnet das Bühnenwerk ein Bild von einer verängstigten Gruppe von Menschen, die sich nach einem Terroranschlag als Fluggäste in einem geschützten und überwachten Wartebereich des Terminals befinden. Über ihnen werden auf Bildschirmen die Wettermeldungen der Welt angezeigt. Die Temperaturen verkünden überall frostige Zeiten.
Die Aufführung ist als Stückzyklus angelegt, in dem neun Kammermusiker & Sänger die 'Gesänge von Krieg und Liebe' aus Claudio Monteverids 8. Madgrigalbuch während der Szenen oder in kurzen Intermezzi anstimmen. Das Werk fügt die Zustandsbeschreibung von zwölf Protagonisten als Fragmente einer Gefühlswelt aus Bedrohung, Furcht und Misstrauen zusammen. Diese stehen für viele Menschen, deren Not und Angst entweder tabuisiert, verharmlost oder schon als Teil unserer Gesellschaft verankert sind. Das Werk legt die Finger in die offenen Wunde. Eine Mutter wird über den Tod ihres gefallenen Sohns informiert, ein schwules Paar gerät in Streit, ein junges Pärchen fühlt sich verängstigt und verunsichert, eine Frau wird einem gewalttätigem Verhör unterzogen, ein Kind bekommt Besuch von einem kopflosen Soldaten, und eine Gruppe von Menschen setzt sich für die 'Dritte Welt' ein. Die Betreffenden vergewissern sich gegenseitig, dass sie ja eigentlich gute Menschen sind und richten sich darin ein. Sie zeigen sich irritiert darüber, dass sie auch ein potenzielles Opfer eines Attentats werden könnten. Statt sich selbst bzw. ihre Verantwortung und Einstellung zu hinterfragen, suchen sie im Kreise ihrer Gemeinschaft ein 'schwarzes Schaf', auf das sie zeigen können, und werden fündig. Der Beschuldigte (Michael Schütz) outet sich als schlechten Menschen. Und so vermittelt das Stück den Eindruck, dass immer andere an der Misere/Ungerechtigkeit in dieser Welt die Verantwortung tragen. Die Botschaft kommt an und verstärkt die Aussagekraft der Handlung. Sie richtet sich an jeden Einzelnen, auch an das Publikum.
Der Regisseur legt es darauf an, dass die Darsteller unumwunden Ängste entblößen und zum Teil paranoide Vorstellungen entwickeln. Das ist überzeichnend dargestellt und wirkt mitunter etwas befremdlich. Aber der Tenor ist klar: Eine Gesellschaft, in der Menschen unter Ängsten und Phobien, Panikattacken und unter Zukunftssorgen leiden, die auch durch den Sicherheitswahn, Leistungsdruck und der damit verbundenen Angst vor dem Scheitern, die Sündenbock-Debattenkultur und durch Medienhysterie mit ausgelöst werden, ist leichter zu manipulieren und zu beherrschen. Die Schauspielerriege spielt stark, insbesondere Christiane Roßbach, Marcus Danzeisen und Thiemo Schwarz. Weitere Termine am 3., 4., und 19. Februar um 19.30 Uhr. (Foto: Sebastian Hoppe)
Die Aufführung ist als Stückzyklus angelegt, in dem neun Kammermusiker & Sänger die 'Gesänge von Krieg und Liebe' aus Claudio Monteverids 8. Madgrigalbuch während der Szenen oder in kurzen Intermezzi anstimmen. Das Werk fügt die Zustandsbeschreibung von zwölf Protagonisten als Fragmente einer Gefühlswelt aus Bedrohung, Furcht und Misstrauen zusammen. Diese stehen für viele Menschen, deren Not und Angst entweder tabuisiert, verharmlost oder schon als Teil unserer Gesellschaft verankert sind. Das Werk legt die Finger in die offenen Wunde. Eine Mutter wird über den Tod ihres gefallenen Sohns informiert, ein schwules Paar gerät in Streit, ein junges Pärchen fühlt sich verängstigt und verunsichert, eine Frau wird einem gewalttätigem Verhör unterzogen, ein Kind bekommt Besuch von einem kopflosen Soldaten, und eine Gruppe von Menschen setzt sich für die 'Dritte Welt' ein. Die Betreffenden vergewissern sich gegenseitig, dass sie ja eigentlich gute Menschen sind und richten sich darin ein. Sie zeigen sich irritiert darüber, dass sie auch ein potenzielles Opfer eines Attentats werden könnten. Statt sich selbst bzw. ihre Verantwortung und Einstellung zu hinterfragen, suchen sie im Kreise ihrer Gemeinschaft ein 'schwarzes Schaf', auf das sie zeigen können, und werden fündig. Der Beschuldigte (Michael Schütz) outet sich als schlechten Menschen. Und so vermittelt das Stück den Eindruck, dass immer andere an der Misere/Ungerechtigkeit in dieser Welt die Verantwortung tragen. Die Botschaft kommt an und verstärkt die Aussagekraft der Handlung. Sie richtet sich an jeden Einzelnen, auch an das Publikum.
Der Regisseur legt es darauf an, dass die Darsteller unumwunden Ängste entblößen und zum Teil paranoide Vorstellungen entwickeln. Das ist überzeichnend dargestellt und wirkt mitunter etwas befremdlich. Aber der Tenor ist klar: Eine Gesellschaft, in der Menschen unter Ängsten und Phobien, Panikattacken und unter Zukunftssorgen leiden, die auch durch den Sicherheitswahn, Leistungsdruck und der damit verbundenen Angst vor dem Scheitern, die Sündenbock-Debattenkultur und durch Medienhysterie mit ausgelöst werden, ist leichter zu manipulieren und zu beherrschen. Die Schauspielerriege spielt stark, insbesondere Christiane Roßbach, Marcus Danzeisen und Thiemo Schwarz. Weitere Termine am 3., 4., und 19. Februar um 19.30 Uhr. (Foto: Sebastian Hoppe)








